Von Andreza Araújo
Heute war ich bei Barnes & Noble, einer meiner liebsten Buchhandlungen hier in den Vereinigten Staaten. Ich nahm eine Zeitschrift zur Hand und begann ein Interview mit Warren Buffett zu lesen. Ein Satz von ihm ließ mich innehalten: „Heute sitzt jemand im Schatten, weil jemand vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.“ Dieses Zitat begleitete mich den ganzen Tag. Noch jetzt, während ich schreibe, klingt es in mir nach.
Kultur entsteht durch bewusstes Handeln
Wir alle genießen Schatten. Wir schätzen den Schutz, die Kühle und das Wohlgefühl, die er uns bietet. Doch selten denken wir darüber nach, wer den Baum gepflanzt hat, der uns schützt.
Wenn ich diesen Gedanken auf Sicherheit übertrage, frage ich mich: Pflanzen wir tatsächlich die Bäume, die morgen Schatten spenden werden? Bauen wir wirklich die Kultur auf, die wir gedeihen sehen möchten? Der Schatten, den viele heute genießen, mit sichereren Arbeitsplätzen, reiferen Teams und bedachteren Entscheidungen, ist Menschen zu verdanken, die bewusst gepflanzt haben. Sie glaubten daran, dass Sicherheit keine Anordnung, sondern ein Samen ist. Und Samen brauchen fruchtbaren Boden, Zeit und vor allem einen Sinn.
Regelbefolgung oder Disziplin?
Oft fördern wir, ohne es zu merken, eine Kultur der Regelbefolgung. Menschen handeln, weil es ihnen gesagt wurde, weil es eine Regel ist oder weil man es eben so macht. Doch eine solche Kultur schafft keinen Schatten. Sie schafft Abhängigkeit.
Eine Kultur, die trägt, schützt und wachsen lässt, entsteht aus Disziplin: das Richtige zu tun, weil wir den Grund verstehen, daran glauben und spüren, dass es uns persönlich wichtig ist. Wir tun es nicht nur, um äußere Erwartungen zu erfüllen. Während Regelbefolgung Anpassung erzeugt, schafft Disziplin Bewusstsein. Genau dieses Bewusstsein bildet Wurzeln, die tief genug reichen, um den Baum einer echten Sicherheitskultur zu tragen.
Der Schatten von morgen hängt vom Licht ab, das wir heute hereinlassen
Über Sicherheit zu sprechen heißt, über Verlust, Menschenleben und abgebrochene Träume zu sprechen. Es heißt aber auch, über Möglichkeiten zu sprechen: über alles, was wir verhindern, verändern und schaffen können, wenn wir uns heute für ein anderes Handeln entscheiden.
Ein Unfall ist immer das sichtbare Ergebnis einer Reihe von Versäumnissen, etwa fehlendem Dialog, fehlender Fürsorge oder fehlendem Zuhören. Eine Sicherheitskultur aufzubauen heißt deshalb, Präsenz zu entwickeln: Führungskräfte, die sich kümmern, Teams, die sich engagieren, und Werte, die auch über die Zeit Bestand haben.
Eine Kultur, die von innen heraus wächst
Sicherheit sollte keine Inszenierung sein, um Erwartungen zu erfüllen. Sie muss von innen heraus wachsen: aus jedem Menschen, der versteht, dass Fürsorge zunächst ein menschlicher Wert ist und erst danach eine Pflicht. Wenn das gelingt, entsteht Schatten ganz selbstverständlich. Er muss nicht eingefordert, überwacht oder aufgezwungen werden, denn er ist das Ergebnis dessen, was mit Aufrichtigkeit, Sinn und Beständigkeit gepflanzt wurde.
Also: Mögen Sie Schatten?
Dann ist es vielleicht an der Zeit, darauf zu achten, was heute gepflanzt wird. In der Sicherheit ist jedes Gespräch ein Samen, jede Handlung ein Beitrag zum Wachsen und jede Entscheidung eine Verpflichtung gegenüber der Zukunft. Die Bäume, die kommende Generationen schützen werden, hängen von den Entscheidungen ab, die wir jetzt treffen.
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